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Die Gemeinde

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Geschichte der Gemeinde

Georg Schlosser

Folgenden Wikipedia – Artikel stelle ich in unsere Homepage, um deutlich zu machen, dass der Namensgeber der Straße, der Georg Schlosser Straße, in der sich unsere Gemeinde befindet, bereits in den 20er Jahren eine sozialpolitische Auffassung vertreten hat, bei der sich die Pankratiusgemeinde wieder findet. Diese Auffassung entspricht sehr gut unserem Gemeindeprofil. Dieses Profil wird in der Georg Schlosser Stiftung Gestalt. Georg Schlosser gehört in besonderer Weise zur Geschichte dieser Gemeinde.

 

 

Georg Schlosser (* 25. April 1846 in Darmstadt; † 9. Juni 1926 in Frankfurt) war ein deutscher evangelischer Theologe. Er wirkte hauptsächlich in der Diakonie, im Aufbau der Armen- und Krankenpflege und als Vorreiter der evangelischen Gefängnisseelsorge.

 

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Geh. Kirchenrat D. theol. Georg Schlosser

Schlosser entstammt einer von lutherischer Frömmigkeit geprägten Familie aus Darmstadt. Hier verbrachte er auch Kindheit und Schulzeit. Die Entscheidung zum Theologiestudium fällte Schlosser hauptsächlich aufgrund seines frühen sozial-diakonischen Interesses; er studierte ab 1863 an der hessischen Landesuniversität in Gießen und trat der ältesten christlichen Studentenverbindung, dem Gießener Wingolf bei. Schlosser schreibt über die Verbindung: „Sie überragt an Bedeutung wirklich weit alles, was mir Gießen sonst für mein Leben gegeben hat.“ (Lebenserinnerungen S. 71). Nach einem kurzen Aufenthalt an der mehr erfahrungstheologisch ausgerichteten Fakultät der Universität Erlangen 1864-1866 legte er 1866 in Gießen sein Erstes Examen ab, studierte kurz in Berlin, um sich dann am obligatorischen Predigerseminar in Friedberg auf das Zweite Examen 1870 in Gießen vorzubereiten.

Schlosser wurde am 4. April 1870 in der Darmstädter Stadtkirche ordiniert, war zunächst Felddiakon im Deutsch-Französischen Krieg 1870, Pfarrer und Lehrer in Gernsheim, schließlich in Gießen 1873 zunächst Mitprediger, 1876 zunächst Zweiter, dann Erster Pfarrer an der Stadtkirchengemeinde (später Matthäusgemeinde genannt).

Er wandte sich von Anfang an den diakonischen Aufgaben zu, die sich besonders durch die Industrialisierung und Verarmung der Arbeiterschaft im Kaiserreich verschärften; er hielt schon früh Kontakte zu Friedrich Naumann und Johann Hinrich Wichern. Schlosser gründete in Gießen den „Oberhessischen Verein für Innere Mission“, „den Evangelischen Arbeiterverein“, die „Herberge zur Heimat“ und den „Allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege“. Besonders letzterer erfüllte zahlreiche diakonische Aufgaben in Gießen, so auch eine Kinderkrippe und ein Diakonissen-Schwesternhaus. Er widmete sich darüber hinaus als einer der ersten der Gefängnisseelsorge und hielt über deren Notwendigkeit zahlreiche Vorträge in Deutschland.

Die theologische Fakultät der Gießener Universität verlieh ihm in Anerkennung seiner tätigen Diakonie den Doktortitel und die Stadt Gießen ernannte ihn zum Ehrenbürger.

Theologisch gehörte er der sog. „liberalen Gießener Schule“ an, und steht in der Vereinigung von Erweckungstheologie und diakonischem Wirken in der klassischen Tradition seiner Wingolfsbrüder Friedrich von Bodelschwingh und Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Nach dem Ersten Weltkrieg griff Schlosser – ganz Sozialreformer – noch vehement in die besonders im Wingolf und der Theologenschaft geführte Diskussion des konservativen Bürgertums über die revolutionären Kräfte 1919/20 ein. Schlosser warf dem alten preußischen System mangelnde Gerechtigkeit und Nächstenliebe vor, er äußerte Verständnis für die aufbegehrende Arbeiterschaft, diese sahen sich in der Monarchie „weithin von den höheren Lebensgütern ausgeschlossen und schauten nur mit sehnsüchtigen Augen über die Mauern, die sie davon trennten, nach den üppigen Tischen, an denen die oberen Zehntausend schwelgten (…) Ist es nicht auch verständlich, wenn sie, nachdem sie im alten Staat nicht zu ihrem Recht kommen konnten, nun von der Revolution die Erfüllung ihrer Hoffnung erwarteten?“ (Wingolfsblätter 1920 Jg. 49,10).

Er verbrachte seinen Lebensabend ab 1915 bei seinen Söhnen in Frankfurt am Main, wo er am 9. Juni 1926 starb. Seine letzte Ruhe fand Schlosser in einem Ehrengrab auf dem Alten Friedhof in Gießen. Nach dem 2. Weltkrieg benannte die Stadt Gießen die Kirchstraße nach ihrem Ehrenbürger in „Georg-Schlosser-Straße“ um.

Die Pankratiuskapelle war es nicht, in und an der er wirktle; es war die zerstörte Stadtkirche, die in unserer Kapelle, über die auf diesen Internetseiten viel berichtet und gesagt wird, eine würidge Nachfolgerin fand.

 

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Georg Schlosser wirkte hier:

 

Der zweite Weltkrieg und die Bombennacht des 6. Dezember 1944 haben Gießen bis heute nachhaltig verändert. In dieser Nacht wurde fast die gesamte Innenstadt - mittendrin die alte Stadtkirche - zerstört. Die beiden alten Stadtkirchengemeinden, die Markusgemeinde und die Matthäusgemeinde, verloren über Nacht ihre Kirche. Dieses Ereignisses wurde in einer beeindruckenden Gedenkfeier in der Pankratiuskapelle am 6.12.2004 in einer völlig überfüllten Kapelle in Anwesenheit gerade auch vieler junger Menschen gedacht. Die Pankratiusgemeinde wird dies als dauernde Verpflichtung aufnehmen.

Die Pankratiuskapelle entstand zunächst als Notkirche für die zerstörte Stadtkirche. Das Hauptprinzip dieser Notkirchen: Das Dach der Kirche ruht auf festen Holzbindern, das Mauerwerk verschließt lediglich die Lücken. Die Trümmer der ehemaligen Gießener Stadtkirche sind in den Fundamenten und den Mauern der Pankratiuskapelle verbaut. So ist diese Kirche eine Erinnerung an die Zerstörung Gießens und eine Mahnung zum Einsatz für den Frieden; und das Wort "Notkirche" bekommt eine weitere wichtige Bedeutung.

Der Erbauer dieser Kapelle war Prof. D. Otto Bartning (1883-1959), der diesem Begriff eine eigene, neue Bedeutung gegeben hat: er meinte Notkirche  im Sinne „einer aus der Kraft der Not entstehenden und der Zeit angemessenen Gestalt“. Also: genau kein Provisorium, sondern Ausdruck der Zeit nach 1945. Die Pankratiusgemeinde sieht sich aber noch heute diesem Bartning-Wort verpflichtet: aus der einen ist eine neue Not geworden – Kirchen sind immer dazu da zu helfen, diese Not der Zeit zu überwinden. Am 12.4.08 wäre Otto Bartning 125 Jahre alt geworden. Mit einer Gedenkveranstaltung am 16.4. in der Pankratiuskapelle haben wir Bartning ebenso geehrt, wie mit einer Ausstellung zu seinem 50. Todestag im Jahre 2009 - im Rahmen des 60jährigen Jubiläums der Pankratiuskapelle.

 „Theologie und Architektur: Dem Architekten und Erbauer der Pankratiuskapelle Otto Bartning zum 125. Geburtstag – „Der erste nach K.F. Schinkel, dem die Ausformung eines gültigen protestantischen Kirchbautyps gelang“  Vortrag von Dr. Jan Feustel, Otto Bartning Arbeitsgemeinschaft, Berlin, Präsentation und Musik aus der Zeit Bartnings Ende des 19. Jahrhunderts mit B. Gruehn,  Pankratiuskapelle“.

Die Pankratiuskapelle und die Pankratiusgemeinde (hervorgegangen aus einer Fusion der Matthäus- und der Markusgemeinde zum 1.1.2004) wissen sich dieser Tradition verpflichtet. Die Kapelle ist eine Kirche, die den Besucher durch ihre Schlichtheit und Wärme beeindruckt, aber in ihrer auch programmatischen Eigenschaft als Notkirche Rationalität, Liberalität und Liebe zum Hauptbestandteil ihres Profils erhebt. Der Stadtkirchenturm, als Campanile der Kapelle zusammen mit diesem Profil: das ergibt den Anspruch, auch heute noch oder wieder die Stadtkirche für Gießen zu sein. Zu diesem Gesamtbild gehört auch der Kirchenladen, eine Einrichtung des Dekanats Gießen in der EKHN und der katholischen Kirche Gießen. Der Kirchenladen liegt in unmittelbarer Nachbarschaft aller Gemeindeeinrichtungen, also des neu gestalteten Gemeindehauses (März 2005) und des Gemeindebüros.

Die Pankratiusgemeinde trägt diesen Kirchenladen personell und gedanklich wesentlich mit, weil er gut zu dem gesetzten Anspruch passt, eine, die Stadtkirche zu sein.

An Himmelfahrtstag des Jahres 2005 wurde das neue Gemeindehaus mit einem Gemeindefest unter großer Beteiligung der Gemeindemitglieder festlich eingeweiht. Ein Grußwort sprach unter anderem Propst Eibach, der die besondere Rolle der Pankratiusgemeinde als Stadtkirche hervorhob. +


Pfr. Ohl wies in seiner Predigt zur Einführung des Kirchenvorstandes im Herbst 2009
auch dem neuen Kirchenvorstand - unter
Rückgriff auf die sechs letzten Jahre - den theologischen[]Weg: Schärfung
des Gemeindeprofils, angemessene Haushaltsführung, aber vor allem
immer wieder in allen Belangen für die Gemeinde - aber auch für die
Gesellschaft - dasein.

Dies letztere im Geiste des Reformationsfestes:
Aus dem Glauben wird die soziale Tat. Die Gemeinde und ihr Kirchen-
vorstand werden dies umzusetzen wissen und sind sich auch ihrer
Verantwortung für das Vermächtnis des zerstörten Gießens und seiner
Stadtkirche bewusst.

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