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Forum Pankratius > Veranstaltungsberichte


Am 09.06.2010 fand im Forum Pankratius eine gut besuchte Vortragsveranstaltung anlässlich des 200. Geburtstages von
Robert Schumann statt. Den Vortrag hielt die Kantorin der Pankratiusgemeinde Frau Brigitte Gruehn.

Hier finden Sie zwei Musikbeispiele, die den Vortrag verdeutlichten.

Veranstaltung am 01.6.2010

„Wenn ich allmächtig wäre, würde ich retten“
Prof. Dr. Günter Oesterle spricht im Forum Pankratius über „Büchner und die Religion“
 
Vor zahlreichem Publikum bearbeitete Prof. Oesterle in eleganter Sprache, mit Witz und
Humor – wie wissenschaftliche Vorträge sein sollten – ein außergewöhnlich schwieriges und
differenziertes Thema. Durchgehend in Büchners Werk, in den Dramen ebenso wie im
„Hessischen Landboten“ etwa, ist die Frage nach Gottes Allmacht und Güte im Angesicht von
Leid, Schmerz, Elend und Armut gestellt und beantwortet. Die Existenz von Schmerz, Armut
und Übel sei „der Fels des Atheismus“, ein Aufweis dafür, dass ein Glaube an Gott allenfalls
als Gefühlsangelegenheit des Einzelnen möglich sei.
 
Die Religionskritik Büchners kommt in den Dramen entweder derb-possenhaft („Dantons Tod“)
zum Ausdruck oder schlicht und frei von jedem Pathos als Ausdruck tiefer Demütigung und
Armut „Wenn ich in den Himmel käme, müsste ich ja doch nur beim Donnern helfen“) im
„Woyzeck“. Büchner nahm heftig Anteil an der grundlegenden philosophischen und
theologischen Debatte seiner Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts.
 
Allein die Erzählung „Lenz“ bietet eine Alternative. Hier scheitert der Versuch eines berühmten Pietisten – Pfarrer Oberlin
– in einer armen Pfarre im Elsass einen psychisch stark gestörten Künstler, als Genie behandelt, Lenz eben, mit den
Mitteln des sozialen Christentums (eben die Alternative) zu heilen. Büchner betrachtet den Versuch, soziale Reformen
mit den Mitteln der Religion – also eine Art Aufklärungsreligion – zu erreichen, mit Sympathie. Biographisch gesehen sei
es – so Oesterle – erstaunlich, dass ein im Grunde privilegierter Bürgerssohn sich intellektuell so eng auf die brennende
soziale Frage seiner Zeit einlasse. Religion scheitert im Lenz als Mittel der Therapie ebenso wie die Beantwortung nach
einem allmächtigen und gütigen Gott grundsätzlich „am Fels des Atheismus“ scheitert. Lenz ruft verzweifelt aus: „wenn
ich allmächtig wäre, würde ich retten“.
 
Das Forum Pankratius und sein Publikum haben die in dieser Reihe schon öfter bearbeitete Frage nach der Theodizee,
also der vernünftigen Verteidigung des Glaubens an einen gütigen und allmächtigen Gott im Angesicht des Leides, von
einer Seite kennen gelernt, die die soziale und theologische Diskussion innerhalb der Kirche bereichert hat.
 
 
Dr. Hans-Ulrich Hauschild
 
 
 
 

Forum Pankratius: „Geht das denn nicht auch ohne Gott“? „Gott nach Auschwitz“: eine Frage der politischen Theologie und Verantwortungsethik

 

Die Frage in der Überschrift hat ein junger Mann, Zuhörer an diesem Abend und Schüler der Liebigschule, die mit zwei Grundkursen Religion vertreten war, gestellt. Gemeint war, ob man denn nicht Verantwortung für den Menschen und die Schöpfung nicht auch ohne einen Glauben an Gott wahrnehmen könne.
 
Privatdozent Dr. Wolfgang Baum, Universität Regensburg,  sprach im Forum Pankratius  nämlich über die politische Theologie von Johann Baptist Metz in dem Sinne, dass er die Frage nach der politischen Verantwortung der Christen für den Völkermord an den Juden stellte und beantwortete. Verantwortlich sind Christenmenschen nach Metz und Baum in dem Sinne, dass sie die Shoa zwar sicherlich nicht aktiv betrieben, aber eben auch nicht entschieden zu verhindern versuchten. Der Abend drehte sich dann natürlich um die Frage, wie eine solche Verhinderung damals – und heute zu denken ist
 
„Politische Theologie“ allerdings im Angesicht der neuesten Entwicklung der politischen Geschichte der Menschheit dringlich. Denn: nichts gelernt muss man sagen. Auschwitz ist auch eine Metapher; eine Metapher dafür, was Menschen sich und ihrer Schöpfung antun können. Das alles in Lichte einer behaupteten „christlichen“ Kultur, einer abendländischen Überlegenheit, von der nicht viel bleibt, schaut man sich eben diese Geschichte an. Die Wurzeln für dieses Versagen finden sich bereits, so Baum, in der Neigung zur Abstraktion und der Vernachlässigung des Individuellen in der antiken griechischen Philosophie.
 
Auschwitz  steht aber auch für Anfragen an die Rationalität und Glaubwürdigkeit eines Glaubens an den Christengott; denn die atheistische Rückfrage, wie denn Gott allmächtig und allgütig sein könne im Angesicht einer desaströsen Weltgeschichte, vor allem im 20 Jahrhundert, eine Geschichte, die nicht aufhört sich fortzusetzen im 21. Jahrhundert, ist nur zu berechtigt. Wie ist eine christliche Heilsgeschichte denkbar, wenn die politische Geschichte einen geglaubten Heilsplan Gottes permanent widerlegt? Es hilft uns nicht, wenn wir auf die vermeintliche Unfassbarkeit hinweisen oder die Leibnizsche Antwort von der „besten aller möglichen Welten“ geben, und es verbietet sich, zynisch Leid und Elend zu pädagogisieren oder gar mit dem Ausgleich durch ein besseres Jenseits banalisieren.
 
Politische Theologie nach Johann Baptist Metz bedeutet, die Frage nach der Verantwortung für den mit „kalter industrieller Präzision“ geschehenen Völkermord nicht mit der traditionellen Geschichtslosigkeit christlicher idealistischer (Oberklassen-) Theologie zu beantworten, sondern politische Antworten zu finden, die die Rede vom „christlich-abendländischen Europa“ oder gar Deutschland wenigstens hinterfragen und den Heilsplan Gottes „weltaffirmativ“ und verändernd in die Verantwortung der Menschen stellen, ohne Gott aus der seinen zu entlassen, in dem man genau danach fragt.  Nach Metz ist Hauptaufgabe der politischen Theologie, das Verhältnis von Theorie und Praxis, Religion und Gesellschaft, Kirche und Gesellschaft und Eschatologie, also christlicher Heilserwartung und politischer Geschichte zu bestimmen. Politische Theologie ist dann nach Metz eben das Gegenteil einer gescheiterten Oberklassenreligion, die sich stets als Privatreligion verstanden hat, öffentlich also nicht mahnend aufgetreten ist.
 
Die Veranstaltung endete mit einer lebhaften Diskussion, in der jener junge Mann eben die Frage stellte, ob diese Veränderungsbereitschaft und Weltzugewandtheit nicht auch gut ohne Gott denkbar seien. Dies ist nach Baum auch die Frage von Hans Jonas, dem jüdischen Kulturphilosophen, dessen Mutter in Auschwitz ums Leben gekommen ist, gewesen. Dessen Antwort ist die Antwort von Metz und das Ergebnis dieses Vortragsabends: damit Gottes Heilsgeschichte endlich in unserer politischen Geschichte ankommt, müssen wir Menschen den Teil der Verantwortung für eine gute Entwicklung übernehmen, den wir bisher hartnäckig verweigert haben. An vorderster Stelle Menschen, die an einen Gott glauben, der heilsbringend in der Menschengeschichte wirkt – das sind nicht nur Christen.

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Forum Pankratius: „Die Sehnsucht nach einem besseren Leben“ – Vortrag zum 125. Geburtstag von Ernst Bloch am 20.10.2010
 
 
Roland Eichhorn M.A., Gießen, untersuchte in seinem Vortrag zu Ernst Bloch im Wesentlichen das in den Jahren 1938 bis 1947 entstandene monumentale Hauptwerk des Philosophen, nämlich das  „Prinzip Hoffnung“. Dabei legte er Wert darauf, eine Unterscheidung zwischen der Trivialisierung im landläufigen Sprachgebrauch dieser Formel und dem utopischen Gehalt zu treffen.
 
Ernst Bloch sah auch die Kulturgüter in der Geistesgeschichte der Menschen nach treibenden utopischen Motiven durch. Und so fand er vor allem in der Dichtung und Musik eben die Formulierung mit ästhetischen Mitteln einer Sehnsucht nach einem besseren Leben. Eichhorn gab zwei Proben dieses Verhältnisses zwischen Philosophie der Utopie und der Musik: Beethovens Fidelio und Brechts Dreigroschenoper, die nicht nur mit den inhaltlichen Motiven, sondern auch gestalterischen Momenten diese auch politische Beziehung klar zu Ausdruck bringt.
 
Sehr unterhaltsam präsentierte Eichhorn das wechselhafte Leben Ernst Blochs, vor allem Flucht, Vertreibung nach 1933 und die erstaunliche Ächtung der im Wesen marxistischen Philosophie Blochs durch die DDR, wo er einen Lehrstuhl in Leipzig inne hatte, seit den 50er Jahren.
 
In dieser Ächtung als vermeintlicher Metaphysiker war aus dem Werk zu begründen. Bloch hatte auch den Marxismus der DDR im Verdacht, nur noch das schlechte Bestehende pragmatisch zu verteidigen und sich dabei zu beruhigen. Dafür sah Bloch keinen Anlass. An diesem Punkte setzte auch die lebhafte Diskussion um die Frage nach Atheismus, Religion und Christentum in Blochs Werk ein. Die Religion spielt bei Bloch ein überragende Rolle in sofern, als er das hohe utopische Potential in der jüdischen und christlichen Religion systematisch auswertete: das Lesen der Bibel „von Unten“ ergab für ihn – ebenso wie etwa für Brecht – eine starke Gemeinsamkeit zwischen Sozialismus und etwa christlicher Religion, wenn man diese auch als eine Religion der „Murrenden, Unzufriedenen, Beladenen“ sieht, die als Heilserwartung eben die Sehnsucht nach dem besseren Leben formulieren konnten.
 
Der jüdisch-christliche Philosoph Ernst Bloch wurde 1885 in Ludwigshafen geboren und starb – nach seiner Flucht aus der DDR 19961 – 1977 in Tübingen, wo er noch als 76jähriger einen Lehrstuhl für Philosophie bekommen hatte.
 
Dr. Hans-Ulrich Hauschild
 
 

Wilhelm Raabe zum 100. Todestag

Hauschild im Forum Pankratius
Dr. Hans-Ulrich Hauschild
Wilhelm Raabe starb am 15.11.1910. Aus diesem Anlass veranstaltete Dr. Hans-Ulrich Hauschild im Rahmen des Forum Pankratius einen gut besuchten Raabe-Nachmittag mit Vortrag zu Leben und Werk und Ausschnitten aus dem DDR-Film "Die SChwarze Galeere" am 14.11.2010. Wilhelem Raabe – heute längst vergessen, allenfalls eingeschlossen in literaturwissenschaftlichen Habilitationsschriften – leider. Noch zu seiner Zeit war er ein anerkannter „geistig-moralischer“ Führer des kerndeutschen Humors, deutscher Innerlichkeit, Vorgeber ethischer Werte – und auch da schon unterschätzt, falsch eingeschätzt. Es ist klar, dass eine solche Interpretation in der Nazizeit Interesse geweckt hat. Er hat sich sogar gegen eine solche Einschätzung gewehrt, in seinen späten Werken ebenso wie in den wenigen Äußerungen außerhalb der Literatur.
Dabei gibt es gar keine Anhaltspunkte für eine solche Einschätzung – im Gegenteil. Aus dem Vortrag gind hervor , was er recht eigentlich war: der stetige Kritiker der sozialen, wirtschaftlichen Verhältnisse nach 1870, jemand, der die Persönlichkeit soweit in den Mittelpunkt stellt, dass stets Außenseiter gegen die vorherrschende Moral und das Prinzip der Gewinnmaximierung – würden wir heute sagen – angehen. Menschlichkeit jedoch gibt dann nur noch im Winkel, in der vermeintlichen Idylle. Die aufklärerische Humanität, an der er Zeit seines Lebens hing, wird gesichert in kautziger Abseitigkeit – dies natürlich Ausdruck tiefer Resignation und Schopenhauer`schen Pessimismus.
Auch Geschichte hat er immer im Sinne der Wahrung des Vorbildes für tiefe Humanität gesehen. In seinen vielen Romanen, die Geschichte portraitieren, steht immer im Mittelpunkt jener kautziger, humane Außenseiter, der von Verfolgung betroffene Menschen schützt. Noch in der Schwarzen Galeere, einem lediglich als Gelegenheitswerk zu wertenden kleinen Roman, wird dieses Prinzip deutlich. Die Gelegenheitsgeschichten: Raabe sah sich genötigt, nachdem er die Entscheidung getroffen hatte, freier Schriftsteller zu werden, auch für Geld – er musst eine Familie ernähren – zu arbeiten. Viele dieser kleinen Geschichten sind in Zeitschriften oder Leihbibliotheken – Reihen erschienen und waren z.T. erfolgreich, erfolgreiche jedenfalls als seine großen Romane der späten Schaffenszeit.

Zur Altenativlosigkeit politischer Entscheidungen

Alternatilvlosigkeit

TINA oder „There is no alternative“:

„Zur vermeintlichen Alternativlosigkeit ökonomischer und politischer Entscheidungen“

Dr. Brigitte Bertelmann, Zentrum gesellschaftliche Verantwortung, sprach im Forum Pankratius

 

 „Alternativlos“ wurde  von Sprachforschern für 2010 zum Unwort des Jahres gekürt. Es war gerade im letzten Jahr auffallend häufig von Politiker/innen verwendet worden. Die Bundesregierung wollte damit ihre Gesundheitsreform durchsetzen und begründete damit die Griechenland Hilfe. Aber auch in Bezug auf den Ausbau des Frankfurter Flughafens oder zum Stuttgarter Bahnprojekt musste dieses Argument, das eigentlich keines ist, herhalten. Das Wort soll vielmehr suggerieren, dass eine weitere Debatte über ein strittiges Thema sich erübrige – dies mit der Absicht, so führte Dr. Bertelmann aus, entweder eine schnelle Entscheidung ohne weitere Diskussion herbeizuführen, oder die tieferen Gründe einer Entscheidung nicht öffentlich begründen zu müssen. Dabei sei – wie ja auch vom Bundestagspräsidenten moniert – häufig die parlamentarischen Demokratie in sofern in Gefahr als die als alternativlos behaupteten Entscheidungen nicht an dem Ort getroffen werden, wo sie hingehören, sondern eher in Lobbyisten – Runden oder irgendwelchen Kommissionen.

 

Schon durch die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher, die ihre rigorose wirtschaftsliberale Politik mit dem Argument „there is no alternative“ betrieb, war das „TINA-Prinzip“ berühmt geworden. Schon damals wurde dagegen das „Tata Prinzip“ - „there are thousands of alternatives“ – gesetzt  und noch heute gehen außerparlamentarische Gruppen mit dem  Leitspruch „Eine andere Welt ist möglich“ dagegen an.

 

Der Vortrag ging  auf diese widersprüchlichen Paradigmen ein und setzte sich mit der Frage auseinander, was das Postulat der Alternativlosigkeit in der Politik bedeutet. Der drohenden Krise der Demokratie können wir nur wirksam begegnen, so Dr. Bertelmann und die Teilnehmer/innen in der anschließenden lebhaften Diskussion, wenn wir gerade in schwierigen, komplexen Situationen die Suche nach Alternativen nicht aufgeben. Dafür müssen auch die Ziele von Politik sowie die Dogmen, Gesellschafts- und Menschenbilder, die ihnen zugrunde liegen genauer betrachtet werden - und wir müssen möglicherweise neue Visionen dafür entwickeln, wie ein gutes Leben – theologisch gesprochen „Ein Leben aus der Fülle“ – aussehen kann. Dr. Bertelmann und Diskussionsleiter Dr. Hans-Ulrich Hauschild fassten die Veranstaltung und ihre Ergebnisse wie folgt zusammen: in Politik und Ökonomie kann es keine alternativlosen Entscheidungen geben, weil sonst gesellschaftliches Leben analog zu Naturgesetzlichkeiten ablaufen würde, was aber dem Freiheitspostulat ebenso widersprechen würde wie einem christlichen Menschenbild. Vielmehr sei ja mit Alternativlosigkeit gemeint, dass unter gegebener Ideologie, vermeintlichen Rahmenbedingungen, Machtinteressen und parteipolitischem Kalkül eine andere Entscheidung unerwünscht ist: und diese Verschleierung gelte es in einer modernen Bürgergesellschaft im Interesse der Menschen und der demokratischen Verfasstheit der Gesellschaft zu entlarven. Die Kirchen sollten mit eigener „Lobbyarbeit“ dazu ihren Beitrag leisten.

 

Gustav Mahler zum 100. Todestag

Mahler zum 100.Todestag
Dr. Brigitte Hauschild

 

„Nicht genug Gott lobend“? Auferstehungsgewissheit?

Veranstaltung im Forum Pankratius zu Gustav Mahlers 100. Todestag

 

 

 

 

Am 18.5.2011, genau 100 Jahre nach Gustav Mahlers Tod, referierte Reinhard Metzger, Kassel, zum Thema: „Religiöse Elemente in den Sinfonien von Gustav Mahler“.

Aber er referierte nicht persönlich, da er heftig erkrankt, dem Vortrag, seinem eigenen, nur per Handyübertragung am Krankenbett beiwohnen konnte. Der Vortrag mit vielen Musikbeispielen und Zitaten aus den in den Symphonien verwendeten Texten, überwiegen aus „Des Knaben Wunderhorn“, aber auch eigene Dichtungen, wurde präsentiert von Dr. Brigitte Hauschild und ihrem Sohn Christoph.

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Die Veranstalter wollten auf diese Weise den Zuhörern trotz allem einen Mahler – Abend bieten – und das ist dann auch gelungen. Der Vortrag und die anschließend – ebenfalls per Handy – geführte Diskussion beschäftigten sich mit dem Zwiespalt zwischen dem Aufführungsverbot (Nicht genug Gott lobend war das Argument des Bistums Brünn im Jahr 2006 gegen regelmäßige Mahlerkonzerte in Iglau, einem Wirkungsort Mahlers,) und folgenden Mahlerversen:

 

 Mit Flügeln, die ich mir errungen, werde ich entschweben! /  Sterben werd ich, um zu leben! // Auferstehn, ja auferstehn wirst du, / Mein Herz in einem Nu! / Was du geschlagen, zu Gott wird es dich tragen     

 

Im letzten Satz von Mahlers 9. Symphonie, so Metzger,  begegnen wir einem gedämpften, geheimnisvollen Glanz, der uns mit dem Irdischen versöhnen könnte und uns ahnen lässt, was Frieden bedeutet  So kann Gustav Mahlers Musik als eine utopische Musik verstanden werden, weil sie dem Sehnen des Menschen nach einer schöneren, friedlichen Welt insofern Ausdruck verleiht, als sie zunächst mit großer musikalischer Wucht menschliches Elend, Pein und Not darstellt. Und in dieser wuchtigen Darstellung wächst die Alternative heran. Wenn dies so ist, dann kann Mahlers Musik auch als religiöse Musik verstanden werden.

 

Bilder vom Mahlerabend

Was aber bleibet, das stiften die Dichter

Bericht zum Vortrag über Friedrich Hölderlin am 7.6.2011 im Forum Pankratius

„Dass der Egoismus in all seinen Gestalten sich beugen wird..“

Friedrich Hölderlin: „Was aber bleibet, stiften die Dichter“ - Vortrag zum Todestag Friedrich Hölderlin am 7.6.2011

 

Genau an Hölderlins Todestag, es war der 168., beschäftigte sich ein sehr gut besuchter Vortrag von Dr. Hans-Ulrich Hauschild im Rahmen des Forum Pankratius mit diesem Aufklärer, Dichter und Politiker am Ende des 18. Jahrhundert.  Danach gilt,  was Martin Walser über eine notwendige Annäherung an Hölderlin sagt: es gelinge uns offenbar nicht, ihn zu verstehen. Oder: wir nehmen ihn nicht ernst. In Hölderlins Hymne „Friedensfeier“, deren ausführliche Besprechung im Mittelpunkt des Vortrages stand, ist die Utopie von einem politischen Zustand einer klassenlosen Gesellschaft  in Harmonie und Frieden und in Freiheit geschildert. Diese Erkenntnis entspreche, so der Referent, so gar nicht dem verbreitetem Bild Hölderlins als schwer verständlichem Dichter, der unentwegt im Austausch mit mythischen Göttern stehe – das tut er nicht, Hölderlin ist im Tiefsten seines poetischen Selbstverständnisses Didaktiker und Aufklärer. 

 

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Dr. Hauschild bei seinem Vortrag

 

So im Grunde auch Thomas Mann wenn er 1932 in seiner Rede an Wiener Arbeiter ausführt:   „Was (Deutschland) gut täte, wäre ein Bund der konservativen Kulturidee mit den revolutionären Gesellschaftsgedanken, zwischen Griechenland und Moskau – ich sage: gut wird es erst stehen mit Deutschland, wenn Karl Marx den Friedrich Hölderlin gelesen haben werde….Ich vergaß (damals) hinzuzufügen, dass eine einseitige Kenntnisnahme unfruchtbar bleiben müsste.“ Eine Begegnung, die sich in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts fiktiv in Peter Weiß’ Drama „Hölderlin“ vollzogen hat.

 

Der Referent ging, eben unter Auslegung des Hölderlinwortes „Was aber bleibet, stiften die Dichtet“, ausführlich auf Hölderlins Auffassung von der überragenden Bedeutung des Dichters ein, der für Hölderlin viel eher ein Aufklärer und Politiker war, als man es bei einer oberflächlichen Lektüre seiner Werke meinen sollte. Hölderlin gibt der Kunst ihre Würde insofern, als sie genau das nicht sein soll, was man Hölderlin – und aller Kunst – unterstellt: unverbindliches Geraune mit dem Absoluten, Ästhetik aus subjektiver Betrachtung, bei der man nur irgendetwas schön findet, sondern Parteinahme für Republik, für den Menschen in seiner Not. Hölderlin hat, wie Kant und viele andere Intellektuelle des 18. Jahrhundert, in der Französischen Revolution ein Geschichtszeichen erkannt, das er als Vorbild für seine politische Utopie  in seiner Dichtung ästhetisch verschlüsselt: hat.

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In seiner „Friedensfeier“ fasst er seine Sicht auf die historische und politische Bedeutung des Friedensvertrages von Lunèville:1801 zwischen Österreich und Frankreich zusammen. In einem kommentierenden Brief zu diesem Friedensvertrag zeigt sich Hölderlin von der Wirkung dieses Ereignisses überzeugt, und zwar „dass der Egoismus in allen seinen Gestalten sich beugen wird unter der heiligen Herrschaft der Liebe und Güte, dass Gemeingut über alles in allem gehen...  wird“.

 

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Die Urchristen

Vortrag 14.9. Forum Pankratius
Prof. Berger beim Vortrag
Christentum: von der Lokalveranstaltung im letzten Winkel zur Weltreligion
Vortrag von Prof. Dr. Klaus Berger im Forum Pankratius
 
Am 14.9.11 hielt Prof. Dr. Klaus Berger vor einer großen Zahl von Interessierten einen wegweisenden Vortrag zur Entstehung, Entwicklung und letzten Zielsetzung des Christentums.
 
Das Christentum ist eine jüdische Religion, darüber gibt es keinen Zweifel und keinen Streit innerhalb der theologischen Wissenschaft. Denn Jesus wollte keine neue Religion stiften, sondern die jüdische vollenden. Berger sieht vor allem das Gemeinsame: Verheißung der „Neuen Stadt Jerusalem“ und deren Erfüllung. Die nach Apostelgeschichte entstehende Kirche definiert sich dann vom „kommenden Jerusalem“ her mit dem Ziel einer „gerechten Menschheit unter Führung des Messias“. Ohne Judentum hätte das Christentum keinen Ort, also keine Existenz.
 
Die ersten Christen, ob Juden- und Heidenchristen, nahmen die Lehre Jesu in den auch für uns Heutigen entscheidenden Punkten auf und entwickelten sie fort: es gehe um ein „neues Reich der Gerechtigkeit, der Mitmenschlichkeit“ und es geht um die ganze Menschheit. Die Mission ist dann Ausdruck dieser Lehre, allen Menschen die Möglichkeit, diesem neuen Jerusalem anzugehören, zu bieten. Auch Berger betont, dass die Geschichte des Christentums – vor allem die Kirchengeschichte – dem nicht gerecht geworden sei. Aber Jesus wollte diese Gerechtigkeit und Jesus wollte seine Kirche.
Warum wurde aus  „einer Lokalveranstaltung unter Fischern und Bauern im letzten Winkel der Antike in Windeseile eine Weltreligion?“ So fragte Berger und antwortet: weil die Menschen die Lehre Jesu von der Mitmenschlichkeit und vom Reich der Gerechtigkeit ernst genommen haben, weil sich Ausgegrenzte, Entrechtete, Sklaven und – in der Antike – Frauen und Kinder als gleichberechtigt angesprochen gefühlt haben.
 
Die wesentliche Lehre aus der Entstehung des Christentums von Jesu Leben über die urchristlichen Gemeinden, das Entstehen der Kirche nach Apostelgeschichte bis hin zur Zentralisierung in Rom ist „der Weg Jesu“. Dieser Weg heißt“ „dienen“, nicht herrschen. Hierarchien waren im Sinne der Machtausübung nicht gefragt und nicht gemeint. Eine Kirche schon. Unter der Moderation von Dr. Hans-Ulrich Hauschild konnten die Teilnehmer feststellen: wir stehen heute, dies die Folgerung für die Moderne, vor der Frage, ob wir diesen herrschaftsfreien Weg Jesu gehen können.

Das Publikum am 14.9.

Das Publikum

Moderator und Vortragender

Moderator und Vortragender
Dr. Hans-Ulrich Hauschild mit Prof. Dr. Berger